Meine Eltern machten mal den Vorschlag, sich im Sommer in Kärnten zu treffen. Gute Idee, dachte ich mir, und begann zu grübeln, wie ich mit Umweg und möglichst vielen Kurven dorthin und wieder retour komme.
Anreise
Ich wollte schnell und an einem Tag hin, also war die Anreise dann durchaus sehr Autobahnlastig.
Den Arlbergpass nehme ich dann noch mit als Appetizer. Die Alpine rollt über die Autobahn wesentlich stabiler mit der frischen GEO-Einstellung von Life110. Beim Handling merke ich aber nicht viel Unterschied, eventuell ist die Lenkung vom Feeling her beim Einlenken etwas definierter. Trotzdem ein kleines Upgrade, das ich empfehlen kann.
Bei Wörgl verlasse ich die Autobahn und rolle durch schöne Landschaften nach Kitzbühel. Dann einmal V-Power volltanken und weiter nach Zell am See.
Highlight des Tages wird der Großglockner sein. Dann an der Mautstelle der Schock: 46 € für die Maut! Instinktiv denke ich mir, das ist gut so. Durch die Preise wird nicht viel los sein, unter der Woche auch noch. Und wie falsch ich lag. Es ist noch voller, als ich es in Erinnerung habe. Camper, Touristen und viele Rennradfahrer, die früher nicht hier waren, sich jetzt aber dank E-Antrieb an ihren Bikes trauen.
Phasenweise habe ich Glück und bekomme die eine oder andere Kurvenkombination frei, wo ich das Tempo hochschrauben kann auf schwindelerregende und erlaubte 70 km/h. Nach dem Fuscher Törl geht es wieder runter.
Mein Stopp für die Pause ist das FAT Mankei. Eine Hütte mit Verpflegung, die von Porsche Junior oben betrieben wird. Es gibt sogar Betten, die man buchen kann. Die Schranke schließt um 20:15 Uhr und dann lasse ich euch den Gedanken selbst zu Ende führen.
Es stehen oben ein paar schöne 911er, mir macht aber Sorgen, dass meine Alpine eindeutig nach Benzin riecht. Ich kann aber nicht sagen, woher es kommt. (EDIT: Den Effekt gibt es wohl nur oberhalb von 2000 m und wenn man im Sportmodus fährt.)
Ich fahre weiter auf die Kärntner Seite hinunter Richtung Heiligenblut. Die Straße ist perfekt, wenn sie nicht so von Touristen überlaufen wäre.
Bei Spittal dann wieder auf die Autobahn und weiter zu meinem Ziel am Wörthersee. Die ganz große Fahrfreude kam nicht auf, aber die A110 ist ein perfektes Reiseauto, wenn man solo oder zu zweit unterwegs ist.
Nach ein paar schönen Tagen mit meinen Eltern am Wörthersee fahre ich wieder nach Hause.
Rückreise:
Diesmal über Italien. Die Anreise war zwar landschaftlich schön, aber ich brauche den Flow. Wo ist der Flow? Mit Calimoto habe ich mir eine Route geplant, die so manche Klassiker in Italien auslässt, in der Hoffnung, gute alternative Straßen zu finden.
Etwas gefrustet rolle ich dann von Tolmezzo weg über die SS52. Das war ein Fehler! So viel Verkehr. Schlimmer noch: Sie fahren alle permanent 36 km/h, dort wo 70 km/h erlaubt sind.
Dann bei Forni di Sopra plötzlich niemand mehr vor mir. Ich fahre Richtung Passo Mauria völlig alleine über eine großartige, kurvenreiche Strecke. Ganze 20 Minuten oder so ist kein anderes Auto da. Privataudienz! Hier hat es Klick gemacht und zum ersten Mal bin ich eins mit der Alpine. Es passte einfach alles. Die Straße, das Wetter, das Auto und meine Motivation, so richtig zu fahren. Es war großartig!
Danach war ich einfach nur glücklich, weil es so viel Spaß machte, und erleichtert, weil die Alpine das so gut kann. Sie bevorzugt aber engere Kurvenradien und technische Strecken. Da ist sie so mächtig und voll in ihrem Element, dabei jedoch nie schneller als 80 km/h. Auf der SP347 habe ich weniger Glück mit der Verkehrslotterie und es fing an zu regnen. Ohne bekannte Pässe geht es wohl auch nicht. Also fahre ich Giau, Falzarego und Valparola im Regen. Genau so wie 2023, als ich mit der Elise dort war. Oder 2017. Wenn ich den Giau fahre, regnet es immer.
Übernachtet wird in Brixen. Pizza, Forst-Bier und WM-Finale.
Tag 2:
Mathematik war noch nie meine Stärke! Der Bordcomputer sagte, ich habe mehr als genug Sprit bis zur nächsten Shell Tanke in Sölden. Stimmt aber nicht.
Die A110 hat zwei Verbräuche: sehr wenig, wenn man normal fährt, und sehr viel im Sportmodus und in niedrigen Gängen bergauf.
Als ich am leeren Jaufenpass unfassbar viel Spaß habe und Driving Nirvana genieße, geht die Restreichweite von 260 km auf 110 km runter. Ein Fehler, der mich zwingt, auf der Downhill-Passage mit sehr viel Lift and Coast zu fahren. Der Jaufenpass ist aber toll. Auch von der Landschaft und dem Panoramablick. Mag ich. Sehr sogar.
Das Timmelsjoch hoch geht noch sportlich. Noch vor dem Museum leuchtet die Reserve. Wie viel ist die Reserve? Vor allem bei dem Tempo bergauf? Runter geht es wieder rollend und ich schaffe es dann doch ohne Drama nach Sölden. Es hat den Fahrspaß aber doch etwas eingeschränkt. An der Tankstelle gibt es dann keinen V-Power als Belohnung. Ich muss ROZ 95 tanken, welches übrigens in der Alpine genauso gut funktioniert.
Jetzt noch ein Umweg! Ein bisschen leiden am Fernpass im Stau, um dann noch das Namlostal genießen zu können. In Berwang steht eine Tafel mit der Sperre, aber zu viel Text, habe ich nicht gelesen. Ich bin schon fünf Stunden im Auto und möchte langsam nach Hause. Das Namlostal ist leer. Noch freue ich mich darüber, aber nicht mehr lange. Ab der halben Strecke ist die Straße gesperrt. Also kann ich den besten Part nicht fahren und es wird ein Umweg über Reutte und das Lechtal nötig. Pain! Dadurch, dass niemand dort ist, fahre ich die Strecke noch eine Spur schneller zurück.
Das Namlostal ist fantastisch. Die Elise kann diese schnelleren Passagen aber besser beziehungsweise macht dort mehr Spaß. Für die Alpine sind diese schnelleren Passagen keine Challenge. Am Pass und auf Passagen mit engeren Radien ist sie jedoch fantastisch, zum Reisen sowieso. Durch das Lechtal, via Flexenpass und Arlbergpass, rolle ich etwas unmotiviert und müde nach Hause und höre Bonnie Tyler, die vor paar Tagen von uns gegangen ist.
Schön war's. Zeit, die nächste Tour zu planen. 