Ich werde das Gefühl nicht los: Wenn man in Deutschland oder Österreich über Rallyesport spricht, dreht sich alles nur um Walter Röhrl.
Seit über 20 Jahren sehe ich immer dieselben Geschichten und Berichte. Die legendäre Fahrt im Nebel in Portugal, Monte Carlo 1980, San Remo 1985, Pikes Peak 1987 – ich kenne sie mittlerweile auswendig. Danach folgen die Kommentare unzähliger Fans, die alle schwören, er sei der beste Lenkradakrobat aller Zeiten.
Ich habe Walter selbst schon drei Mal auf Oldtimer-Events getroffen. Die Menge an Fans, die ihn umlagert und ihm keine Ruhe lässt, ist wirklich beeindruckend. Keine Frage: Der Mann ist eine absolute Kultfigur, seine Leistungen herausragend – das steht außer Diskussion.
Was mich allerdings immer etwas gestört hat, ist, dass andere großartige Rallyepiloten aus den 80ern in Deutschland kaum Anerkennung finden. Und trotzdem: So sehr ich seinen Erfolg respektiere, ich konnte mit dem Kult um Walter Röhrl nie wirklich etwas anfangen.
Lange wusste ich selbst nicht, warum. Bis ich im Herbst 2025 in Zagreb plötzlich die Antwort fand.

Wir kamen gerade vom Essen, meine Eltern und ich. Und unweit vom Restaurant stand ein Auto, das mir sofort die Kinnlade runterklappen ließ.
Ein Subaru Impreza 22B – dachte ich zumindest auf den ersten Blick.
Aber nein: Die Verbreiterungen waren anders, die goldenen Felgen auch. Dieses Auto schrie förmlich Prodrive, und noch viel mehr: Colin McRae.
Und plötzlich war alles wieder da.
Mitte 1998, ich war noch in der Schule und nicht gerade ein Musterschüler. Mein Vater, der schon in Wien lebte, fragte mich: „Willst du lieber einen PC oder eine Spielkonsole?“
Wie aus der Pistole geschossen kam meine Antwort: „PlayStation!“
Er machte dann den Fehler, und statt Gran Turismo kaufte er mir Colin McRae Rally.
Und das war der Moment, der alles verändert hat.

Ich habe dieses Spiel geliebt – und den Subaru Impreza S5 WRC noch mehr.
Von da an fing ich an, Rallye zu verfolgen. Wer erinnert sich noch an die Berichte auf Eurosport? Spät am Abend, immer nach dem Snooker?
Colin McRae wurde mein Held: die unverkennbare Stimme und Pacenotes von Nicky Grist, der spektakuläre Fahrstil, immer am absoluten Limit, oft darüber. Und dieses Auto – für mich schöner als jeder Integrale, Lancer Evo oder Escort Cosworth.

Das Auto, das ich in Zagreb sah, war übrigens eine japanische Coupé-Version des Impreza, auf Linkslenkung umgebaut, mit Carbon-Verbreiterungen – exakte Kopien des originalen WRC-Bodykits.
Ich liebe dieses Auto. Und beneide den Besitzer Punkt.
Und was hat das mit Walter Röhrl zu tun?
Eigentlich gar nichts.
Er ist nicht mein Held, weil es schlicht eine Generationssache ist.
Für die einen ist es der Walter, für mich wird es immer Colin McRae auf Impreza sein.