Möglicherweise passt dies besser unter second vehicle. Ich schreibe aber mal hier.
Meine Elise ist noch nicht verkauft, auch wenn ich optimistisch bin, dass sich 2026 ein Käufer finden wird. Trotzdem habe ich den Winter genutzt, um über die Nachfolge nachzudenken. Vielleicht auch zu intensiv. Aber es hat mir Spaß gemacht. Was kann die Elise ersetzen? Welches Auto kann überhaupt in ihre Fußstapfen treten? Und vor allem: Was will ich eigentlich?
Das Lastenheft
Es muss ein emotionales Auto werden. Wenn ich durchs Treppenhaus Richtung Garage gehe, soll mein Körper schon Glückshormone ausschütten. Der Use Case wird ähnlich sein wie bei der Elise, aber nicht identisch: ein Hobbyauto, ein Zweitwagen für Wochenenden, ohne Winterbetrieb. Ein Auto, das wir auch nehmen, wenn wir schick essen gehen wollen, oder für ein spontanes Wochenende nach Milano.
Es muss mich an Sonntagen (dem einzigen Tag, an dem ich ausschlafen könnte) trotzdem um 4 Uhr früh aus dem Bett holen können, damit ich um 6 Uhr meine Lieblingsstrecke ohne Verkehr fahren kann. In erster Linie ein Auto für Kurven und Pässe. Ein fahraktives Auto wie der Lotus.
Ich lege viel mehr Wert auf Balance, Feedback und Textur, Nuancen wie Gasannahme und Gangübersetzungen, Sound und clevere technische Lösungen als auf PS-Zahlen oder 0–100 Werte. Für mich ist ein Leistungsgewicht von etwa 200 PS pro Tonne die obere Grenze. Das Auto soll sich im Bereich 60–120 km/h großartig anfühlen und sportlich bewegen lassen, und so abgestimmt sein, dass ich in diesem Tempofenster auch mal länger als zwei Sekunden voll am Gas bleiben kann. Schneller kann oder möchte ich auf meinen Lieblingsstrecken nicht fahren.
Was mir die Elise nicht bietet, und das nächste Auto unbedingt haben soll, ist ein Hauch von GT‑Qualitäten. Ich möchte damit Roadtrips fahren: in die Pyrenäen, nach Südfrankreich oder zur Le Mans Classic. Dafür hätte ich gern etwas mehr Platz und etwas mehr Komfort als in der S1.
Natürlich spielt auch das Budget eine Rolle. Nicht nur die Anschaffung, sondern auch die laufenden Kosten.
Noch im Dezember hatte ich eine Liste mit 15 Autos. Da war alles dabei: Von 70iger Jahre Alfa Bertone, über Yaris GR Automatik bis zum V8 Vantage 4.3. Jetzt sind nur noch drei Kandidaten übrig, die ich hier vorstellen möchte. Und auch auf eure Meinung gespannt bin. Dafür ist ein Forum da. 
Platz 3: Mazda MX‑5 ND3 2.0 Homura (die logische Wahl)
Was mir gefällt:
Ein fantastisches Paket! Zumindest in der Theorie. Für den Preis eines 25 Jahre alten S2000 mit rostigen Kotflügeln und verschlissenen Synchronringen bekommt man einen rund 1000kg Roadster, der zwar erst zwei Jahre alt ist, aber mich in der Theorie an Restomods erinnert. Moderne Features wie CarPlay, beheizte Recaro‑Sitze und Zuverlässigkeit treffen auf Dinge, die viele neue Autos längst verloren haben: ein rundes Lenkrad, echte Auspuffrohre, Aluminium‑Doppelquerlenker, eine eigene Plattform, ein Sperrdifferenzial, ein Sauger ohne Rev‑Hang und nette Details wie 4‑Kolben‑Brembos und geschmiedete 17‑Zoll‑BBS.
Was mir nicht gefällt:
Ich hatte vor 15 Jahren einen MX‑5 NA, und mochte ihn damals nicht. Nur weil ein Auto auf dem Papier perfekt aussieht, heißt das nicht, dass es in der Praxis auch so sein wird. Außerdem ist der MX‑5 ein Brot und Butter Sportwagen. Ich drehe mich nie nach einem MX-5 um. Es wäre keine emotionale Wahl und könnte schnell langweilig werden. Es kommt mir zumindest Emotional und Fahrdynamisch wie ein Downgrade nach der Elise vor. Ich werde wohl diese Spec fahren müssen im Frühling. Mein NA MX-5 war BJ1994. Bin gespannt was sich in 30 Jahren Entwicklung an dem Auto getan hat.
Platz 2: BMW Z4 M Coupé E86 (die emotionale Wahl)
Was mir gefällt: Der Motor! Das Design von Chris Bangle, das nach 20 Jahren immer besser aussieht. Das Double‑Bubble‑Dach. Die Farbe Interlagos Blue.
Was mir nicht gefällt:
Es ist ein schweres und schnelles Auto. Eigentlich nicht das, was ich suche. Dazu teuer im Unterhalt, und der S54 braucht viel Aufmerksamkeit. Hier geht es aber um Emotionen. Das was Engländer "sense of occasion nennen. Ich weiß, dass das Ding fahrdynamisch nicht perfekt ist. Chris Harris hat das auch so geschrieben. Aber eigentlich will ich nur diesen Motor und diesen Sound in einem kleinen GT mit brauchbarem Kofferraum. Das Armaturenbrett (ohne Navi) wirkt aus heutiger Sicht pur und klassisch schön, genauso wie die zwei Instrumenten‑Pods. Selten ist das Auto obendrein. In Österreich wohl schwer zu finden, und die NoVA liegt bei rund 8.000 €. Hier wird man viel Glück und gutes Timing benötigen. In der gleiche Ecke könnte ich noch den Alfa SZ nennen. Der ist mir leider out of budget.
Platz 1: Alpine A110 (die emotionale und logische Wahl)
Was mir gefällt:
Wenn sich ein Auto „Elise S4“ nennen dürfte, dann die Alpine. Meine müsste Alpine Blau sein, mit Fuchs Felgen und Schalensitzen. Basisversion – kein S, kein R. Sie kann auch Touren gut.
Was ich nicht mag:
Alles Moderne am Auto. Die Monitore. Die künstlichen Fehlzündungen. Die Keycard statt eines Schlüssels. Und natürlich der fehlende Handschalter und der fehlende Sauger.
Und trotzdem: Es ist die beste Wahl.
Dass meine automobilen „Prediger“ – Harris, Camissa, Catchpole, Frankel – alle in höchsten Tönen von der Alpine sprechen, bestätigt mein Gefühl. Ich bin die A110 bereits gefahren. Den Z4 M Coupé und den ND Miata dagegen noch nicht.
So! Und nun von der Theorie in die Praxis. Mal sehen, was der Frühling bringt, wie schnell sich ein neues Zuhause für die Elise findet und welche Möglichkeiten der Markt mir eröffnet. Es ist nicht ausgeschlossen, nach 10 Jahren und einer Reihe von Autos die alle teuer waren und mich mit Glück nicht erfüllen konnten, wieder hier zu sein und nach einer Rover Elise zu suchen. 