Soloroadtrip 2025

  • Da war mal jemand, der vor vielen Jahren zu mir sagte:
    „Du musst in die Vogesen, wenn du gerne Auto fährst.“

    Ich habe das damals ignoriert und vergessen – bis mir ein anderer Elise-Fahrer letztes Jahr genau das Gleiche sagte. Also gut, ab nach Westen!

    Tag 1 – Vom Bodensee in die Vogesen

    Im Regen ging es über die Autobahn nach Basel und weiter nach Mulööözzz.
    Dort dann Sonne und richtig warm. Die Stadt selbst ist kein Highlight, aber mein Ziel war ohnehin das Musée National de l’Automobile.

    Was für eine schräge Geschichte rund um den Textilindustriellen Fritz Schlumpf. Man kann ihn mögen oder nicht – zweifellos war er einer von „uns“.

    Mit Vorkriegsautos kann ich wenig anfangen. Mein Interesse beginnt ab den 1950er Jahren – trotzdem ist die Sammlung beeindruckend.
    Es gibt auch modernere Fahrzeuge, aber im Zentrum steht ganz klar Bugatti. Und wie! Über 100 Stück zählt die Sammlung, darunter sogar einer der sechs gebauten Bugatti Royale.

    Der wäre mir allerdings zu groß und zu schwer. 😉



    Nachmittagsrunde

    Verdeck runter, Roadmap ins Google Maps laden – funktioniert nicht! Handy-Neustart, nochmal probieren – wieder nichts.
    Na toll. Also irgendwie nach Uffholtz, dann auf die D431G. Beschildert mit „Le Grand Ballon“ – wird schon passen.

    Die Strecke ist fantastisch zu fahren, nur das Schild „70 Rappel“ stört ein wenig. 80 wäre besser.
    Dann kommt mir eine Alpine A110 entgegen – ich weiß: Ich bin definitiv richtig unterwegs.

    Plötzlich befinde ich mich auf einem Plateau, die Aussicht wird immer schöner – und die Zahl der Rennradfahrer immer größer.
    Dann biege ich falsch ab – auf die D27, aber in die falsche Richtung. Nach 10 Minuten merke ich es, aber ich kann nicht aufhören zu fahren. Der Flow ist einfach zu gut, kein Verkehr – ein Traum, wie dieses Auto fährt.

    Irgendwann komme ich an einem kleinen See vorbei. Ein Porsche 996 fährt an mir vorbei. Ich drehe um und folge ihm.
    Nach zwei Minuten bin ich dran, er sieht mich und legt einen Zahn zu. Fährt gut, der Typ – und das Kennzeichen verrät: Er ist aus der Gegend.
    Nach zehn Minuten bin ich immer noch hinter ihm. Die Strecke ist unglaublich gut zu fahren. Interessant zu sehen, wie sich ein 911 aus der gleichen Ära gegen die Elise S1 schlägt.

    Dann wird’s mir zu wild – er schneidet Kurven, der Tacho zeigt Zahlen, bei denen ich mir denke:
    „Eigentlich habe ich keine Lust, ein französisches Gefängnis von innen zu sehen.“
    Bilder aus dem Film Papillon schießen mir durch den Kopf. Also: Au revoir, Monsieur, und danke – das hat Spaß gemacht und meine Liebe zum frühen 996 bestätigt.

    Ich fahre weiter auf der D27, dann auf die D10 nach Munster, von dort Richtung Col de la Schlucht.
    Was für ein Fehler – zu viel Verkehr!
    Am Col angekommen, schnell abgebogen auf die D430 Richtung Osten. Perfekt – niemand unterwegs, und die Strecke hat wieder diesen tollen Flow.
    Es ist wie Skifahren! Für solche Momente lebe ich. ❤️


    Tag 2 – Zurück über den Rhein

    Nach einem petit déjeuner überquere ich den Rhein Richtung Osten – Hallo Deutschland!
    Ich fahre auf der L131 – ganz anders zu fahren: Anspruchsvoller, technischer, aber laut Navi darf man schneller.

    Kurz vor Todtnau biege ich nach Todtmoos ab, weiter südlich nach Wehr. Schön zu fahren, aber immer wieder Verkehr.
    Man kommt kaum ans Tempolimit – trotzdem: Frankreich war besser.

    Jetzt Pause, dann zwei Stunden Transitfahrt in die Schweizer Berge.
    Am Nachmittag dann: Gotthard – Furka – Grimsel – Sustenpass, im Uhrzeigersinn gefahren.

    Verkehr ohne Ende. Die Inkompetenz mancher Verkehrsteilnehmer ist erstaunlich.
    Auf der Autobahn denkt man noch, die Hälfte fährt halbwegs vernünftig – aber auf einem technisch anspruchsvollen Pass zeigt sich, wie schlecht viele wirklich fahren.
    Dauerbremsen ohne Verzögerung, nur Hitze und Reibung erzeugen. 44 km/h in einer 80er-Zone, Kolonnen bilden und nicht vorbei lassen.
    Ohne Grund mitten auf der Straße oder über die Linie – gerne auch an unübersichtlichen Stellen.
    Meine Fresse! Man kann nur hoffen, dass alle heil bleiben.

    Aber die Natur ist spektakulär – wirklich wunderschön.
    Ich schaue in den Rückspiegel, ob vielleicht eine heiße Blonde im Mustang-Cabrio auftaucht – tut sie aber nicht.
    Stattdessen: Der Typ mit der GS-Enduro und Warnweste.
    Der Sustenpass hat aber Potenzial – trotz Tempo 80. Ich gebe mich noch nicht geschlagen.

    Tag 3 – Frühstart in Wassen

    Es ist 5:40 Uhr. Ich stehe an einer kleinen Tankstelle in Wassen und kippe Super98 in die Elise.
    Es ist ruhig, kein Mensch da – aber richtig kalt ohne Jacke.

    Ich fahre den Sustenpass hoch.
    Wow – das Licht einer Elise S1 ist wirklich mies. Gut, dass ich nie Nachts fahre. Mit Fernlicht geht’s besser.

    Der Pass ist großartig zu fahren – vielleicht neben dem Bernina und dem Passo Giau mein Lieblingspass.
    Weiter oben dann doch Nebel. Ach – irgendwas stört immer.

    Ich bleibe dabei:
    Grimsel und Furka sind touristisch schön, aber fahrerisch – selbst ohne Verkehr – nur „okay“.

    Frühstück in Andermatt. Ich schaue auf die Uhr – eigentlich müsste ich Heim, bin auch müde.
    Aber der Oberalppass auf dem Weg nach Chur geht noch.

    Gruß

    Dado

  • Sehr geil!

    Kann ich so bestätigen, war die letzten Jahre auch mehrfach in den Vogesen unterwegs.

    Ganz klarer Tipp, sofern es Urlaub und Kalender hergeben: unter der Woche in die Vogesen fahren und Wochenenden meiden! (speziell bei schönem Wetter)

    Dann gibt's deutlich weniger Radfahrer und Verkehr allgemein. Meine Erfahrung ist auch, dass einen die "Zivilisten" i.d.R. recht schnell vorbei lassen, was ich so aus dem Schwarzwald, von der Alb oder anderen "Fahrgebieten" in Süddeutschland nicht kenne (eher das Gegenteil...)

  • Tolle Geschichte Dado.:)

    Mein Frau und ich waren auch da letzte Woche. Wir waren aber nicht mit die Elise, wir haben am Montag zuerst die Klausenpass gefahren und danach die 3 Passe Runde bis in Andermatt.

    Es war viel zu viel Verkehr um richtig Gas zu geben, auch viel Rennradfahrern und viel schmale Wegen wo man nicht abfliegen woll.

    Aber die Aussichten waren grandios. Am Dienstag sind wir dann ohne Autobahnen über verschiedene Passen bis ins Oetztal in Österreich gefahren. Finden der Schweiz auch grandios teuer. Aber wir waren zuerst ein WE bei ein Freund auf Besuch die schon ein paar Jahren in Zürich lebt und wir hätten noch nie geschafft mal da vorbei zu kommen.

  • Oh ja, die Route des Crêtes ist wie für die Elise geschaffen. Bin im Mai eine 170 km Tour von Colmar über Cernay und den Grand Ballon bis Gerardmer und dann zurück mit Halt am Lac Blanc und in Kaysersberg gefahren. Eine wunderschöne Strecke.

    Aber du hättest dir mehr als einen Tag Zeit nehmen sollen. Das Elsaß hat noch mehr schöne Landstraßen und auch sehr sehenswerte Orte zu bieten. 😉