Zugeschaut, Mitgebaut Teil 5 : Getriebe

  • Hallo Martin


    Mach bloß so weiter, sonst muss ich bald ohne Anleitung arbeiten ;)


    Ich habe heute mein Getriebe geöffnet und gleich einen Schaden gefunden, welchen ich gar nicht erwartet hätte.
    Hat mich fast schon gefreut. So ist die bisherige Arbeit wenigstens nicht umsonst


    Das linke Kegelrollenlager hats zebröselt. Die Rollen weisen extremes Pitting auf, Der Aussenring ebenfalls und ist im Gehäuse mitgelaufen. Die Späne sind ins Gehäuse der linken Ausgangswelle gewandert und haben dort vermutlich das Lager ebenfalls beschädigt.




    Desweiteren habe ich das Kugellager vordere Kugellager von der Primärwelle ausgebaut. Das Lager scheint OK zu sein, allerdings hätte ich mir einen festeren Sitz im Gehäuse erwartet. Das Lager scheint zwar nicht mitgelaufen zu sein.
    Wie fest saß es bei dir?


    Erstaunlich und ermutigend finde ich, dass die Primärwelle trotz des ausgebauten Lagers bombenfest in dem andern Lager sitzt und sich überhaupt nicht bewegen läßt. Ich vermute deswegen, dass das Lager in Ordnung ist und kein Spiel aufweist.


    Für die weitere Demontage muss ich mir jetzt auch Werkzeug anfertigen. Hast du ein deutlichere Zeichung von denen, welche du erodiert hast?

  • Hallo Claude,


    habe das Werkzeug auch nur mit einer Skizze angefertigt und die genauen Masse von dem Gewindering abgenommen, der Innendurchmesser des Rings ist 56,0 mm. An der Stelle, wo beide Nasen rausstehen, ist der Schlüssel 61,9mm breit. Die Stege haben eine Breite von 6mm. Die SW der Mutter ist 44. Da kannst Du zur Not an eine 6kant-Nuss ein Stück Rohr anschweissen.
    Wenn schon Späne im Getriebe sind, würde ich empfehlen, alle Lager zu tauschen, weil sich diese in den Laufflächen einwalzen. Erstens halten solche Lager dann nicht mehr lange und zweitens machen sie laute Geräusche ;)


    Gutes Gelingen und viele Grüße.


    Martin

    Don't only dream about, feel it and do it!

  • Doch nun mal wieder der Reihe nach ;)


    Nun die Ausgangswelle vorsichtig mit dem Lager(-Gehäuse) zusammenfügen und die Mutter anziehen. Diese wird zusätzlich dann noch mit einer Schraube gesichert. Zu guter Letzt dann der Vergleich alt/überholt:


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  • Nächstes Problem: Das doppelreihige vorgespannte Schrägkugellager der Sekundärwelle wird von SKF seit ca. 1990 nicht mehr gefertigt. Angeboten wird derzeit eine Nachfertigung auf Basis eines 3206 Standard Lagers, beziehbar z.B. über SJ Sportscars. Ich fand die Lösung allerdings nicht perfekt. Diesem Lager kommt eine zentrale Bedeutung zu, da geringstes Axialspiel bzw. fehlende Steifigkeit in Axialrichtung sich unmittelbar auf den Verschleiss, Laufruhe usw. der Kegel-/Tellerradkombination auswirkt. Daher habe ich das nächst grössere Lager genommen, was eine 30% höhere Tragzahl bedeutet. Die Maximaldrehzahl von 8500 U/min passt auch noch, sie würde einer Endgeschwindigkeit von ca. 230 km/h entsprechen, die mit diesem Esprit sicher keiner fahren möchte/kann ;)
    Also wieder gesagt, getan: Aussenring des Lagers nachbearbeitet, so dass ein Steg ähnlich einem Bundlager bleibt, Lager mit zwei Ringen passgenau eingefasst und verklebt. Aussengehäuse präzise gedreht und mit zwei harten Präzisionsscheiben den Innenring auf die Länge des Originallagers gebracht:


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  • Und wieder eine neue Folge der spannenden Vorabendserie ;)
    Es wird Zeit die Sekundärwelle provisorisch ins Gehäuse einzubauen, um den Überstand des Kegelrades zu messen. Damit sich dieser genau ermitteln lässt, muss die Tachomutter fest angezogen werden. Dazu ist ein Spezialschlüssel hilfreich, der in die Verzahnung des kleinen 5ten Gang-Rades eingreift, um so die Welle beim Anziehen der Mutter gegenzuhalten. Das hintere Lager wird durch provisorische Montage des Hilfsgehäuses fixiert. Das Mass auf dem Kegelrad (hier 63,95) gibt den Abstand von der Stirnseite zur Mittelachse des Differenzials an:

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  • Nun wird's wieder knifflig... zum Einstellen des Pinion-Abstandes ist ein Messwerkzeug zu bauen, falls keiner das Original-Werkzeug im Schrank hat ;) Die Messuhr wird dann mit 24mm Parallel-Massen auf einer Plangeschliffenen Platte genullt, was 24 + 40(halber Lagerdurchmesser) = 64mm Abstand entsprechen würde. D.h. für den korrekten Abstand hier muss die Messuhr + 0,05mm anzeigen. Dies wird mit der Dicke der Scheibe zwischen 1ter/2ter und 3ter/4ter Gang auf der Sekundärwelle eingestellt. Am Ende wird die Tachomutter mit 220Nm angezogen und gesichert.

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  • Nun zum Differential... Hatte eins, was spielarm und wenig verschliessen war, so dass ich es nach dem Reinigen einfach nur wieder zusammensetzen musste. Ansonsten muss dieses mit den Tufnol-Anlaufscheiben (werde ich bei Interesse demnächst in verschiedenen Dicken nachfertigen) und den harten Stahlanlaufscheiben (auch da wird es evtl. eine Nachfertigung geben) entsprechend spielarm eingestellt werden. Tellerrad aufsetzen und die 8 Schrauben mit dem richtigen Drehmoment anziehen (Habe Loctite Schraubensicherung verwendet, ist original nicht vorgesehen) und frische Kegelrollenlager auf die Enden aufpressen:


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  • Hallo Martin


    Frage zum Ausmessen/Ausrichten der Sekundärwelle:
    Wenn ich davon ausgehen, dass die Achse des Differentials in der Trennebene vom Differentialgehäuse liegt sollte es doch möglich sein ohne die Vorrichtung den Abstand von der Trennebene zu messen, bzw. könnte man von der Trennebene auf die Fläche der Differentiallager messen und eine eventuelle Abweichung von Achse zu Trennebene erkennen und berücksichtigen?


    Woher kommt der auf der Sekundärwelle eingravierte Wert?
    Ist der vorm Einbau der Welle durch Vermessen festgelegt und die Distanzscheibe entsprechend ausgewählt worden?
    Müsste der Wert nicht reduziert werden um eventuellen Verschleiß zu kompensieren und das Spiel zwischen den Kegelrädern anzupassen?

  • Hallo Claude,
    Bei der Fertigung des Gehäuses sind mit Sicherheit Toleranzen zu berücksichtigen, d.h. die Trennebene ist vielleicht nicht immer ganz exakt die Mitte. Deswegen würde ich empfehlen, so ein Werkzeug zu bauen, weil ein nicht einwandfreies Zahntragbild bei einer Lastspitze leicht zu einer Zerstörung eines Zahnes führen kann. Der Wert auf der Welle kommt vom Hersteller. Die Crownwheel-Pinion Kombi wird stets nur Satzweise geliefert, wobei auf einer Messmaschine vorher das Tragbild und Abrollverhalten gemessen wird. Daher empfiehlt sich auch, nicht nur dem Wert zu vertrauen, sondern selber das Tragbild mit Tuschierpaste noch einmal zu überprüfen, um keinen teuren Fehler zu machen (Crownwheel-Pinion sind rar und teuer). Das werde ich später auch noch beschreiben.
    Viele Grüße.
    Martin

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  • Gleich passend zur Frage der nächste Schritt. Um später das Differential-Spiel einzustellen, braucht man einen Satz Haltebügel zum Fixieren der beiden Kegelrollenlager. Diese habe ich mir ähnlich den Originalwerkzeugen angefertigt und das Differential provisorisch montiert um bereits jetzt das Tragbild der Kegel-Tellerradkombination einmal mit Tuschierpaste zu überprüfen:


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  • Nun das Differential erst mal wieder entfernt, um die Primärwelle einzubauen. Um den Federring zu montieren, der die Schaltmuffe festhält, bedarf es einer sehr schlanken Seegeringzange, die ich mir aus der Zange eines namhaften Herstellers selber geschliffen habe. Die Federringe gibt es in verschiedenen Stärken, um das Spiel der Schaltmuffe gegen den 3ten Gang auf max. 0.05mm einzustellen. Das sollte vor Einbau ins Getriebe erfolgen. Das Einbauen der Primärwelle ist nur möglich, wenn das Rückwärtsgangrad nicht eingebaut ist! So musste ich meinen Rückwärtsgang nochmal ausbauen :-/ Die Schaltgabel des 1ten/2ten Ganges ist unbedingt einzusetzen, bevor die Lager der Primärwelle montiert werden, sonst passt sie nicht mehr dran vorbei! Dann beide Lager von beiden Seiten auf die Welle schieben. Dichtungskleber auf den hinteren Flansch und Hilfsgehäuse montieren. Hier das ganze in Bildern:


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  • Es wird Zeit für eine Fortsetzung... ;) :)


    Also den 5ten Gang aus der Originalverpackung geholt. Dieser ist am sinnvollsten gleich mit der entsprechenden Schaltgabel zusammen zu verbauen, weil die Schraube zur Befestigung der Gabel auf der Führungsstange so leichter mit Drehmoment anzuziehen ist (Frischen Sicherungsring nicht vergessen!). Danach alle Schaltstangen und Gabeln montieren, wobei Federn und Kugeln zur Rastung und die Verriegelungsstangen vorne vorher! einzusetzen sind. 3 Schrauben sind mit entsprechendem Sicherungsdraht zu versehen. Dann kann das Differential und die Abtriebswellen vorerst provisorisch eingesetzt werden, um das Crownwheel-Pinion Spiel einzustellen (0.16-0.24mm) und die Vorspannung der Kegelrollenlager (Summe 0.3mm, Dichtungsstärke berücksichtigen!)
    Doch genug der Worte, hier die Bilder:


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  • ...Nun noch den Deckel und den Gangwahlhebel einbauen. Und die Bohrungen für die Verriegelungsmechanik müssen noch dicht verschlossen werden... Weil das Verbindungsblech für die Auspuffhalterung noch nicht fertig war, konnte ich den hinteren Deckel noch nicht montieren. (Der Deckel sollte mit diesem zusammen montiert werden, um sicherzugehen, dass er dann dicht ist und bleibt). Aber was erzähl ich, guckt einfach selber:


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  • Nun die letzten Feinheiten zum Abschluss: Das Abschlussblech nachgefertigt, galvanisch verzinken und passivieren lassen, den Tachoantrieb glasperl-strahlen und mit Klarlack lackieren, frisches Fett rein und grob testen (lässt sich frei und mit wenig Reibung in beide Richtungen drehen), dann alles zusammen mit dem hinteren Deckel (Dichtfläche verkleben!) montieren:


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  • Hallo Martin,


    wie immer sehr akkurat deine Arbeiten. Ich hoffe
    wir laufen uns beide mal über den Weg in diesem Jahr.
    Hoffentlich hast du das Antriebsritzel vor dem Zusammen-
    bau noch an der richtigen Stelle verbaut. ;)


    MfG


    Lars

    Das Leben ist zu kurz um langweilige Autos zu fahren.

  • Hallo Lars,


    ich dachte noch "irgendwas hab ich vergessen", grins. Was auf dem Foto nicht zu sehen ist, ist eine kleine Kunststoffhülse, die in die Schraube der Primärwelle gehört, um das Öl vom hinteren Deckel in die Schaltmuffe des 5ten Gangs zu leiten, aber auch daran habe ich gedacht ;) Bei dem Pre C35 Getrieben wird das durch eine Art Fangglocke und eine Blechnase am hinteren Deckel bewerkstelligt. Dort gibt es die Kunsstoffhülse nicht.


    Was ein Treffen angeht, wird sich das sicher ergeben, sobald das Auto endlich mal zugelassen ist. Ich hoffe, dieses Jahr das Oberteil wieder draufsetzen zu können, aber bis dahin stehen Kühlwasserverrohrung, Bremsleitungen, Vergaser, Luftfiltergehäuse, Zündung und neue Sprittanks auf meiner to do Liste.


    Viele Grüße aus dem Rheinland.


    Martin

    Don't only dream about, feel it and do it!

  • Hallo Lotusfreunde,


    es wird Zeit für ein Update. Das Anbauen der Bremsscheiben von SJ gestaltete sich nicht ganz einfach, da das Bohrbild für die 3 x M12 Bolzen nicht wirklich zentrisch war, was einen Höhenschlag von fast 0.5mm !!! bedeutete. Also die Dinger auf die Fräse gespannt, die Löcher auf 14mm aufgefräst (Jetzt zentrisch zur Mitte der Bremsscheibe ;) ) und Hülsen eingesetzt. Dann Öl ins Getriebe gefüllt, einen Asynchronmotor mit Wechselrichter angeflanscht und die ersten 1000km ohne Strasse zurückgelegt. Das Getriebe läuft rund und lässt sich sauber durchschalten, die Arbeit hat sich also gelohnt :) Aber seht selber:


    Don't only dream about, feel it and do it!